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Die nachstehenden Daten und Informationen beruhen sich auf Erzählungen und Berichte aus alten Tageszeitungen. Sollten diese nachweisliche Fehler beinhalten, bitten wir um Nachricht. Für nachstehende Informationen übernehmen wir keine Haftung.

14.

Aus der neuzeitlichen Entwicklung

Der Beginn des 19. Jahrhundert sah Werneuchen trotz der lähmenden Franzosenherrschaft in aufsteigender Linie. Im Jahre 1806 wurde die von Berlin bis Werneuchen durchgeführte Steinbahn – nach der Berlin-Potsdamer die älteste Chaussee in unserer brandenburgischen Heimat – vollendet und in den folgenden Jahren bis 1816 nach Freienwalde weitergeführt.

Der Bau der letzteren Strecke ist, wie noch die älteren Einwohner zu erzählen wissen, von französischen Gefangenen ausgeführt worden. 1821 wurde von Tiefensee eine Abzweigung über Heckelberg, Trampe nach Eberswalde und weiter nach Angermünde – Stettin geführt, was die gänzliche Bevölkerung der alten Bernauer Herrstraße zur folge hatte, denn aller Fuhrwerksverkehr ging nunmehr über Werneuchen; die Getreidefuhren aus der Uckermark und die Oderbrücher Heufuhren in erster Linie. Das bisher noch immer respektierte Krugrecht war mit einemmale durchbrochen.

Bald reihte sich Gasthof an Gasthof und merkwürdigerweise – in der Ackerbürgerstadt war die Bestellung des Feldes fast Nebensache geworden. Die jetzigen Vorgärten waren damals Halteplätze für Fuhrwerke (z.B. Kirschbaum, Bugge, Petri, Hindenberg). Die königliche Postmeisterei, die der geschäftskluge Petitjean leitete, brauchte täglich 200 Vorspannpferde. Sie stellte schon im 18. Jahrhundert eine wichtige Durchgangstelle dar, denn Besmann sagt 1750: „In diesem Städtchen ist die erste Poststadtion von den Extra-Posten und reitenden Posten nach Königsberg in Preußen und Moskau. Der Verzehr stieg noch, als 1833 / 34 im Anschluß an die Berlin – Freienwalder Kunststraße von Werftphul aus eine solche nach Wriezen, mit einer Zweigstraße von Prötzel nach Müncheberg gebaut wurde. Bis der Bau der Dampfbahnen von 1840 ab auch diesen Verkehr mit der Zeit lahm legte. 1855 berichtete dann Berghaus 35 ), dass die Einwohner sich wieder meistenteils von Ackerbau und Viehzucht nähren. Im wesentlichen wirtschaftet man noch in drei Feldern und baut meistens Cerealien, aber auch Kartoffeln und Futterkräuter in große Mengen. Alle überschüssigen Ackerbauprodukte werden in Berlin abgesetzt, wo auch die Erzeugnisse der sehr zahlreichen Handwerker ihren Markt finden.“ Auch eine Fabrik wird um Diese Zeit erwähnt, es ist die ehemalige Pappfabrik, nach 1820 als „Etablissement Richter“ angelegt.

Langjährige Verhandlungen mit der Regierung bewirken 1854 eine „Verfassung“, nach Werneuchen in drei Bezirke eingeteilt wurde, den nördlichen oder die Altstadt, den westlichen oder die Neustadt und den Chausseebezirk. Jeder Neuanziehende hatte 10 Taler Anzugsgeld zu zahlen und wer einen Hausstand gründete hatte 4 Taler Hausstandsgeld zu berichtigen. Nur unmittelbare Staatsbeamte, Geistliche und Lehrer waren davon befreit. 1865 wurde diese Verfassung durch das noch heute geltende aus 30 Paragraphen bestehende „Statut für die Stadt Werneuchen“ – „gegeben Carlsbad den 11. Juli 1865“ abgelöst. Im Eingang wird ausdrücklich die Bezeichnung „Stadt“ mit Rücksicht „ aus das ihr früher verliehene Stadtrecht“ bestätigt, übrigens lehnt sich das Statut an die Städteordnung von 1853 an. Die Stadtverordnetenversammlung bestand danach aus 6 Mitgliedern, das Magistratskollegium aus 4 Personen. Die Bürgermeisterbesoldung wurde auf 300 Taler festgelegt 36).

Eine besondere günstige Entwicklung hat das Gemeinwesen während der Amtszeit des tätigen Bürgermeisters Lamprecht genommen. Durchgängig wurden die Straßen gepflastert, der Straßenzug am Paddenphul angelegt und am 1. Mai 1898 die Bahnstrecke Berlin – Werneuchen, weitere 5 Monate später der Restteil bis Wriezen eröffnet. Seit 1910 hat Werneuchen sich auch zur Gartenstadt herausgebildet; im Norden, an der Weesower Chaussee liegt die Gartenstadt Amselhain, im Osten an der Landstraße nach Wesendahl die Gartenstadt Rudolfshöhe. – Die 1848 als „Schutzverein“ gegründete aus Scharschützen bestehende Vereinigung, die mit 182 Mann unter ihrem Kommandeur Dr. Faustmann ins Leben trat, erwarb 1849 Korporationsrechte als Schützengilde. Diese erbaute am Wege nach Landsberg auf einem eigen Grundstück das Schützenhaus mit Schießstand, zu dem die Anlage eines Gartens kam. -  Faustmanns Namen finden wir auch unter dem ersten Statut des 1869 gegründeten „Landwehrvereins“ zur Unterstützung armer Kameraden“.


35 ) In seinem Landbuch II. Band Seite 413.

36) Amtsblatt der Regierung in Potsdam 1866 S. 398.


15.

Statistisches1375 - In Werneuchen wohnen 32 Kossäten (Die Zahl der Hüfner ist nicht angegeben).1624 - 22 Hüfner mit dem Einschluß des Müllers, 8 Gärtner, ein Schmied.1737 – Einwohnerzahl 2761750 – 67 Häuser mit 320 Einwohner.1801 – 25 Hüfner, 15 Gärtner und Büdner, 2 Windmüller, ein Krüger und „einige Handwerker“ (Bäcker, Böttcher, Rademacher, Schmied, Schuster, je Leineweber und Tischler und 5 Schneider)1850 – 101 Häuser mit 950 Einwohnern,1900 – 1708 Einwohner1913 – 1981 Einwohner1920 – 2374 Einwohner 


16.

Werneuchen im Jahre 1925

 
Das Gemeindegebiet der rund 2300 Einwohner zählenden Stadt Werneuchen in dem brandenburgischen Kreis Oberbarnim umfasst einen Flächenraum von 1898,6 Hektar, darunter 1633 Hektar Ackerland, 52 Hektar Wiesen und 117,8 Hektar Waldbestand. Die Stadt hat 20 Straßenzüge, nämlich:

Altstadt-Straße; Am Platz; Bahnhofstraße; Beiersdorferstraße; Berliner Straße; Chausseestraße; Freienwalder Chaussee; Köpenicker Straße; Kirchstraße; Löhmer Weg; Landsberger Straße; Mühlenstraße; Postweg; Stadtweg; Wegendorfer Straße; Wegendorfer Chaussee; Weesower Chaussee; Weesower Straße; Schulstraße und Breitestraße. Dazu kommen die beiden Kolonien Amselhain und Rudolfshöhe mit je einigen Privatstraßen.


Die Kolonie Rudolfshöhe, ca. 200 Morgen umfassend, ist vor dem Weltkrieg unter dem Namen Neu- Messina ( in Erinnerung an das große Messina-Erdbebenunglück ) angelegt. Das Gesamtareal war Kaufmann Hindenberg und dem Regierungslandmesser Rudolf Küchenmeister aufgekauft und parzelliert worden. Nach letzterem, der den Weltkrieg mitmachte und 1915 in den Karpathen fiel, hat die Kolonie den Namen „Rudolfshöhe“ erhalten.


Die Kolonie Amselhain, 120 Morgen umfassend, war 1900 als Obstplantage von Major Spitzner und Richard Grünenthal angelegt worden. In der gleichzeitig auf diesem Gebiet eröffneten Gärtnerlehranstalt befindet sich das Restaurant Amselhain (Inhaber Ernst Jäger). 1911 wurde das Gesamtgebiet von Kaufmann Hindenberg und Bauunternehmer Büttner erworben und nun begann feine Aufteilung.

An der Spitze der Verwaltung steht seit 1922 Bürgermeister Oskar Lehmann. Seit Mai 1924 besteht die Stadtverwaltung aus 14 Stadtverordneten (statt bisher 6 – siehe Seite ...), von denen 8 der bürgerlichen  und 6 der Fraktion der werkstätigen Bevölkerung angehören. Als Beigeordneter fungiert Bäckermeister Reuter, als Ratsmänner: Arbeiter Doberschütz und Kaufmann Robert Haase. Die Namen der am 4. Mai 1924 gewählten Stadtverordneten sind: Schmalle, Tiebel, Kirschbaum, Wagener, M. Thürling, Dröse, Günther, Quart, Förster, Behring, Fritz, Blankenfeld, Gehardt und Meitmann.


War die Verwaltung bisher nur mietsweise untergebracht, so wurde 1924 das der Witwe Ida Schmidtke gehörige Hausgrundstück Am Platz als eigenes Rathaus angekauft und zu Verwaltungszwecken umgebaut. Der Kaufpreis betrug 45000 Mark, worauf 10000 Mark angezahlt wurden; Das Restkaufgeld verzinst mit 6 %, wird in Jahresraten zu 3000 Mark abgetragen.

Der Stadthaushalt zeigte in Einnahme und Ausgabe:

Im Jahre 1914: 47616 Mark

Im Jahre 1924: 57826 Mark und beträgt

Im Jahre 1925: 94529 Mark.

Seit 1898 ist Werneuchen Bahnstation an der Bahnlinie Berlin-Wriezen. Zum Eisenbahnbau steuerte die Stadt rund 25000 Mark in bar bei und überließ der Bahnverwaltung Land, für dessen Erwerb die Stadt 26679,82 Mark zu zahlen hatte.

Es wird aber jetzt Vorortverkehr mit Berlin angestrebt, zu welchem Zwecke sich der Verkehrverband an der Reichsbahnstrecke Berlin-Werneuchen gebildet hat, dessen Vorsitzender Bürgermeister Lehmann-Werneuchen ist.

 
Das jetzt im Besitz von Ingenieur Franz Hagen befindliche Elektrizitätswerk wurde erbaut von der Elektra G.m.b.H. und 1906 eröffnet. Seitdem besitzt Werneuchen auch elektrische Straßenbeleuchtung.

Ein Wasserwerk befindet sich in der Kolonie Rudolfshöhe, in der Stadt selbst geschieht die Wasserversorgung, durch Pumpen, welche sich fast auf jedem Hofe in Privatbesitz befinden. Außerdem befindet sich eine Städtische Pumpe Am Platz.

Vorhanden sind: 2 Aerzte, 3 Zahntechniker ( von denen zwei auch Heilgehilfen sind ), 2 Hebammen und seit 1838 eine Apotheke. Das Armenhaus ist 1912 erbaut worden.

 
An Industrie sind vorhanden: Sägewerk und Baugeschäft, Konkordiamühle, Dampfmühle H. Lehmann und W. Schmidke, Sägewerk Elisabethmühle, landwirtschaftliche Maschinenfabrik Gleiminger & Co., Zementfabrik Georg Tiebel, Baugeschäft Emil Petrik. Es kommen noch hinzu die Neuendorfsche Bokwindmühle am Bahnhof (die daneben gelegene Buggesche Windmühle ist 1923 abgebrannt ) und die Thürlingsche Holländer-Mühle vor Rudolfshöhe; Die ehemalige Pappfabrik ist eingegangen und wird zu Wohnzwecken benutzt.

Die größten Grundbesitzer sind Erich Kühn (900 Morgen) und W. Kirschbaum (500 Morgen Land).

Den Geldverkehr vermittelt seit 1923 die Girokasse der Oberbarnimer Kreissparkasse (Kreisbank). – Es sind 13 Gast- und Schankwirtschaften vorhanden, von denen mit Sälen ausgestattet sind: Der Schwarze Adler, Isensee [Zum Stadtwappen, das übrigens eine grüne Eiche auf weißem Grund darstellt, Stadtfarben weißgrün], Wittenberg (Zur Gemütlichkeit) und das Schützenhaus (erbaut 1848).

An der 7 klassigen Volksschule (mit Knaben und Mädchen) unterweisen 6 Lehrer: Rektor Hoffmann, und die Lehrer Matthes, Peske (Der zugleich auch Leiter der seit 20.10.1924 bestehenden Berufschule ist), Quart, Feldhahn und Vo.........

Gegenwärtig besuchen die Volksschule 135 Knaben und 123 Mädchen. Der ganze Schulbetrieb verschlingt jährlich eine Summe von rund 25000 Mark, wovon der Staat etwa 15000 Mark zahlt.

Ausweislich der Standesamtsregister wurden 1924 beurkundet: 36 Geburten, 20 Eheschließungen und 30 Todesfälle.

Zum Vergleich mag angeführt sein, dass diese Zahlen 1898 betrugen 55,18 und 52 – und dass sie im Jahre 1918 waren 40, 17 und 35.

Das Vereinswesen steht in Blüte. Es existieren zur Zeit: Landwehr-Verein (Vors. Maurermeister Petrik), Männer-Turnverein (Vorsitzender Klempnermeister Köhler), Radfahrer-Verein (Vors. Obstzüchter Gladow), Motorradclub (Vors. Maurermeister Tiebel), Beamten-Ortkartell (Vors. Straßenmeister Heinze), Schützengilde ( Vors. Bädermeister Maasch), Kleintierzuchtverein (Vors. Tischler Sorgar..........), Landwirtschaftl. Verein (Vors. Hauptmann Stark-Tiefensee), Landbund-Ortsgruppe (Vors. M. Thürling). Eine Freiwillige Feuerwehr besteht seit 1899 (Kommandeur Oberbrandmeister Knebel – mit Löschzug 2 – Rudolfshöhe – Brandmeister Ritman).

weiteres in Arbeit ...........


 
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